Dienstag, 22. Mai 2007

Chill and Grill

Ich muss aus gegebenem Anlass Jacques Cousteaus Abenteuer und meine geologischen Erkenntnisse 20.000 Meilen unter dem Meer ruhen lassen. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben…
Freitag war ein traumhafter Tag: Das allwöchentlich Friday Gathering konnte nicht wie gewohnt in der Kantine stattfinden, weil die für irgendeine andere Feier gebucht wurde. Wohin gehen also? Ein Doktorand (oder so was ähnlich Schlaues) kam auf die grandiose Idee runter zum Strand an den Segelclub zu gehen um dort zu grillen. Chill and Grill also am Strand; doch wo war der Strand – ah da, unterm Schnee…

Bevor man in Italien wirklich Frühling haben kann, muss Berlusconi erstmal Frühling anordnen. Ähnlich läufts hier: Sysselmannen sagt ‚es soll gutes Wetter sein’ und pünktlich zum Nachmittag reist es auf, keine Wolken mehr, kein Wind mehr und die Sonne kommt raus – perfekte Bedingungen zum Grillen. Da geht’s schon wieder los: Spitzbergen ist jetzt nicht als die internationale Grillhochburg angesehen und das wird an der Fleischtheke, die eigentlich nur das Fleischregal ist, ziemlich klar…ich hab ja kein Lumb-Steak erwartet, aber irgendwas so zum lecker drauflegen wär schon sehr angenehm. Ein richtiger Fleischtheken-Fachverkäufer mit Herzblut und dickem Bauch tut hier mal not. Zu guter Letzt finde ich noch eine Packung Bauchlabbe, der mich wieder versöhnlich stimmt. Schließlich muss ja auch noch das nicht vorhandene Becks irgendwie kompensiert werden (auch wenn das nicht komplett möglich ist).
Der Abend wird grandios, es fehlt zum perfekten Kleinen Traum eigentlich nur noch die Palme, der Bikini und der Ball…ach ja und das Becks natürlich. Sonst sind alle Kleinen Träume anwesend!


Etwas Skurriles hat die Sache aber trotzdem, während des ganzen Abends scheint großartigerweise) die Sonne, schön wandert sie von links nach rechts über das Meer und die Leute tragen Sonnenbrillen. Grill und Lagerfeuer ergeben ja eine perfekte Symbiose, Schnee und Sonnenbrille auch, was spricht also gegen die Megaquadrat-Symbiose am Nordpol?!
Schließlich gehen noch ein paar wagemutige Leute (konnte mich gerade noch bremsen) schwimmen, in der Gewissheit dass es männlich erscheint, der Männlichkeit aber auch wieder bestimmt nicht soooo gut tut…
Neben dem Segelclub steht ein Holzgerüst - für bzw. von was auch immer. Ob es mal ein Haus werden sollte und dem Besitzer vor Fertigstellung eingefallen ist, dass er zwar jetzt ein Haus am Strand hat, es aber nicht wirklich zum alltäglichen Baden einlädt und deshalb seine Baupläne auf eine Eisscholle (die an seiner zukünftigen Terrasse vorbei schwamm) gelegt hat, bleibt unklar. Jedenfalls kommen wir auf die Idee von dem Gerüst zu springen und gegen die Sonne Fotos zu machen.


Zum Schluss noch ein Zitat vom oben sinnfreier Weise erwähnten Cousteau: „Die beste Weise, Fische zu beobachten, besteht darin, selber zum Fisch zu werden.“ Wer hätte das gedacht...

Freitag, 18. Mai 2007

Industrielle Revolution

Als technisch versierter und begabter Student habe ich (beinahe eigenständig…) nach Wochen und Monaten des harten Lebens im Paradies letztlich die Zeit und die Mittel gefunden, ein paar mehr Fotos in einem digitalen Fotoalbum zu bannen. Einfach auf den Kasten klicken und…was erzähl ich euch das überhaupt?!
Gerhard Kocher (*1939), schweizer Gesundheitsökonom


So, mach mich wieder auf das Paradies zu genießen…

Dienstag, 8. Mai 2007

Sonne, Sonne und nichts als Sonne

Bin die Tage nicht früher dazu gekommen zu schreiben, also mal ein kleiner Rückblick, quasi eine Retrospektive : Vorletzte Woche waren wir zu einer dreitägigen Exkursion in Kapp Linee, einer kleinen Radiostation in der Mitte des Nirgendwo. Die kleine Station ist eine Art Herberge, Unterkunft für Spitzbergen-Pauschal-Touristen und Anlauf- bzw. Ausgangspunkt vieler Exkursionen. Hier soll auch der größte Teil des dreiwöchigen Sommerkurses stattfinden, für den ich mich nach meinen beiden „normalen“ Kursen beworben hab – mal sehen was draus wird.
Jeder Student bekam einen eigenen Scooter für die Fahrt gestellt, um das ganze Gepäck und das Equipment für die verschiedenen Messungen zu transportieren, wurden noch zehn Schlitten an die Scooter gekoppelt. Aus den wohl normalen drei, vier Stunden Fahrt wurden knappe fünf, so cool Scooterfahren auch sein kann, aber nach dem zwanzigsten Tal, dem relativ eintönigen Brumm-Geräusch des Motors und dem ganzen Wackeln vom Lenker ist man doch irgendwann ziemlich fertig. Schon zum totlachen, da fährt man fünf Stunden, um aus der "großen Stadt" herauszukommen und merkt dann, dass sich hinter dem Namen Kapp Linee nicht viel mehr als drei Hütten und eineinhalb Häuser verbergen. Die stehen da einfach so, ohne Straße, ohne Weg, einfach eine Hütte am Meer. Leider fehlt irgendwas um wirkliche Sommerstimmung aufkommen zu lassen...


Am späten Nachmittag machen wir uns dann wieder mit Scootern auf Feldarbeit. Das ist schon so unbeschreiblich anders als in Deutschland: Klamotten zusammen suchen, Extrasachen einpacken, heißer Tee ist auch nie verkehrt, rein in die Scooteroveralls, Sturmmaske auf, Helm, Skibrille (noch nicht aufsetzten, sonst beschlägt die, geht man dann raus, gefriert das direkt und man wirds nicht mehr los – meistens hat man also auch noch eine Ersatzbrille mit…), Unterziehandschuhe, Überhandschuhe und endlich geht’s raus zum Scooter. In einer langen Schlange geht’s dann auf, Richtung See, den ich nie als einen solchen erkannt hätte... Mit GPS hatten wir schon in der Unterkunft Wegpunkte festgelegt, denen wir jetzt folgen und in regelmäßigen Abständen Schneetiefenmessungen mit Lawinensonden machen. Gleiches machen wir auch am zweiten Tag über einen ganzen Gletscher. Neben den Messungen buddeln wir auch noch zwei Snowpits um eine Schneestratigraphie zu erhalten. Besonders interessant ist eine Methode, die ein Doktor aus Oslo benutzt, der uns für die Exkursion begleitet und in der vorangegangenen Woche geteacht hat: Hinter einem Scooter (was auch sonst…) zieht er ein Radar, das an ein GPS gekoppelt ist. Hinter dem Scooter ist ein ca. 10 m langer Schlauch, an dem zwei Empfänger montiert sind. Beginnt er mit der festgelegten Fahrt, sendet das Radar Impulswellen aus, die durch die Schneeschicht und das Gletschereis gehen und erst vom Gletscherbett reflektiert werden – es wird also die Eisdicke gemessen. Je nach Frequenz kann man auch Schneedecke separat oder „erwärmtes Eis“ auf der Reflektion erkennen. Die reflektierten Impulswellen werden an der Oberfläche von den beiden Empfängern wieder aufgenommen. Später hat man also dank GPS einen genauen Querschnitt durch das Gletschereis. Theorie ist das eine, aber so was wirklich mal draußen zu sehen ist schon was anderes. Hier wird einem auch bewusst, dass nicht das Arbeiten an sich hier oben das schwierigste ist, sondern viel mehr die nötigen Geräte an den bestimmten Ort zu transportieren und zum Laufen zu überreden. Kälte und Batterien werden wohl nie beste Freunde werden…Nach einer kurzen Mittagspause wollen wir noch mal einen Komplettdurchlauf am Stück über den ganzen Gletscher machen, doch hier haben wir die Rechnung ohne die Batterien, die eigentlich auch Akkus sind, gemacht. Zuerst sind die beiden Batterien der Empfänger– die keine sind - nicht mehr fit, als die ausgewechselt sind, nimmt das GPS keine Position auf, als dieses Problem dann noch irgendwie provisorisch behoben wird, streikt der Laptop, der gepolstert in einer Alukiste auf dem Schlitten festgezurrt ist: Um die Feldarbeit zu erleichtern, hat das gute Stück keine Maus, sondern ein Touchscreen – dumm halt nur, wenn das sich das dute Stück eine Erkältung durch die Zugluft zugezogen hat…da steh ich also, das gute Wetter hat auch die Lust am gut sein verloren, mit einem eingefrorenen Laptop in meinem Overall!


Das Wetter am nächsten Tag war großartig, keine Wolke am Himmel, überall nur weiß, dass man fast geblendet wird. Steht man dann noch auf dem riesigen See (den, den ich nicht erkannt hab) und hat diese flache Ebene (ist flache Ebene so was wie ein weißer Schimmel oder so was???) vor sich, ey das ist so schön!!! Durch den warmen Scooteranzug vergisst man fast - wenn man die Sonne genießt - dass es ja nicht gerade warm ist. Aber auch 15 Grad minus können sich wirklich richtig behaglich anfühlen - auch wenn das keiner von euch in Deutschland bei 30 Grad plus glauben will.

Die Rückfahrt wird am Mittag zur absoluten Farce: Anscheinend verbrauchten die Scooter durch die schweren Schlitten erheblich mehr Benzin als kalkuliert. Von UNIS begleitet ein Safty- und Logistik-Guide jede solcher Exkursionen. Aus irgendwelchen Gründen mussten wir in einer kleinen Hütte nahe dem See ziemlich viel von unserm mitgebrachten Extrabenzin für andere deponieren. Viele sind schon am Mittag des zweiten Tages leer gelaufen, so dass wir da schon auffüllen mussten. Obwohl ich weiß, dass der gute Logistik-Mensch mehr Ahnung hat als wir alle zusammen, kam uns alles schon ziemlich spanisch vor. Auf dem Weg zurück liefen von unseren 15 Scootern fünf leer, zusätzlich brachen auch noch drei Schlitten auf der ganzen Exkursion zusammen. Also saßen wir quasi am Ende mehr oder weniger immer zu zweit auf einem Scooter, der auch noch einen Schlitten zog. Ich denke mit viermal leer laufen war ich einsamer Spitzenreiter der Exkursion!
Wie lächerlich das ganze: Da wird bei uns Sicherheit immer ganz groß geschrieben, jede deppe Schraube zum Reparieren ist fünffach dabei, aber am Benzin verrechnet sich der Mann…zum Glück war ja gutes Wetter und alle kamen in den verbliebenen Scootern mit den letzten Tropfen in UNIS wieder an.
Themenwechsel - Hab ich mich so gefreut den Oli hier zu haben, aber leider hat er ne Erkältung oder irgendwas Fieses hier gelassen, dass ich direkt mal aus reiner Heimatliebe aufgeschnappt hab. Am Wochenende ging mit mir dann gar keiner mehr. Zurück in Nybien von der Exkursion hab ich mich quasi so wie ich war ins Bettchen gelegt und bin erstmal weggeschlummert. Irgendwann wurde ich wieder wach und hatte so was von überhaupt gar keiner Ahnung wie spät es war, denn in meinem Zimmer hab ich keine Uhr, mein Handy steckte noch irgendwo im Rucksack und der Laptop lag auch vom Bett unerreichbare zwei Meter weit weg. Wenn man noch nicht mal weiß welcher Tag überhaupt ist, ob ich zwei oder 12 Stunden geschlafen hab, ist es ein total komisches Gefühl. Der Blick aus Fenster sagte mir auch nur, aha es ist hell, wie eigentlich 24 h lang, also ist es noch nicht Herbst – mehr aber auch nicht…
Zeitsprung – wir waren die letzten fünf Tage mit der R/V Jan Mayen unterwegs – einem Forschungsschiff der Uni Tromsö, Wahnsinn, das als Student benutzen zu können und richtig mitzuerleben wie zum Beispiel ein Sedimentkern in über 1500 m Wassertiefe genommen wird, aber davon die Tage mehr.
Ich geh jetzt mal wieder meinen Sommernachtstraum genießen…


Samstag, 28. April 2007

Chefsalat und Flugzeuge im Bauch


Letzte Woche hat sich der erste mutige Kämpfer aus dem sommerlich warmen Deutschland in die hohe Arktis gewagt. Die Schwierigkeit für mich bestand nicht nur in einer möglichst perfekten Präsentation aller Möglichkeiten hier oben, sonder auch noch alles dem Oli – seines Zeichens nämlich der lauffaulste Mensch auf der ganzen Insel – mit wenig Laufen irgendwie zu ermöglichen…
Lässig hatten wir nur ein paar Tage vorher telefoniert und der gude Mann quasi gesagt: „Also entweder ich komm übermorgen oder in einer Woche – was soll ich mitbringen?!“ Übermorgen also! Stilecht hab ich mir am späten Abend noch einen Scooter geliehen, einen Scooteroverall geborgt (nicht dass der Liebe schon mit Frostbeulen zu kämpfen hat, bevor alles anfängt), die Waffe geschultert und zum Flughafen gecruised. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke nicht, dass es viele Flughäfen auf der ganzen Welt gibt, in denen man nicht blöd angeschaut wird, wenn man in der (Wohnzimmer-)Wartehalle mit einem Gewehr auf dem Rücken, Sturmmaske vor dem Gesicht und Helm aufm Kopf steht. Und ab gings, keine halbe Stunde gelandet, zur ersten (wenn auch sehr kleinen) Scootertour. Jetzt ists ja auch 24 Stunden am Tag hell, da kann man schon was machen.
Grosses stand an diesem Wochenende an, zugleich lies aber der Wetterreport nichts Gutes hoffen. Seit Ostern hatte es nicht mehr (richtig) geschneit, die Schneeoberfläche war also richtig hart windverblasen, dass ich sogar zwei Tage vorher zum Lage checken aufm Berg den Wanderschuhen den Vorzug vor den Skiern gab (kam hier auch noch nicht so oft vor…). Am Wochenende sollte der Schnee kommen, mit dem Oli aber auch der Sturm. Zudem sollte es im Laufe der Tage noch wärmer werden, so warm, dass schon von Regen die Rede war.
Donnerstagabend ging dann nicht mehr ganz soviel: Es wurde mir nur wieder bestätigt, dass das norwegische Bier halt kein Beck’s ist…
Freitag sind wir dann recht kurz zur Uni (was zu Olis Erschrecken wirklich eine halbe Stunde hin dauert…). Nach der Vorlesung kamen wir in den Genuss in Annes kleinem Pferdefütter-Auto, in dem mehr Heu liegt als es in ganz Spitzbergen freilebend gibt, hoch nach Nybien zu fahren. Kurz gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Eishöhle. Nicht nur zu Olis Unglück (aber wohl vor allem) wurde aus der einen Stunde Laufen noch ne halbe mehr. Entschädigen konnte dann die Höhle wie erhofft für alles. Glück hatte ich, als ich noch im Eingang feststellte, dass meine Kopflampe nicht gaaanz so hell leuchtet, und oben noch Jonas stand, der eben noch unten war. Also mit neuer Lampe und großer Zufriedenheit ging es wieder hinab in diese einzigartige Welt. Ein bisschen laufen, ein wenig kriechen, robben und man hat eine geile Zeit da unten. Überall glitzert es, geht man um eine Ecke, scheint alles wie ein erstarrter Wasserfluss. Teilweise kann man richtig weit ins Eis, das einen in allen Richtungen umgibt, gucken. Irgendwie hat man gar nicht das Gefühl, dass es überhaupt Eis ist, so klar ist es und auch unbeschreiblich glatt. Vielleicht liegt es aber auch darin, dass es ungemein warm ist: nur zwei, drei Grad unter Null.

Kommt man nach dieser kleinen Entdeckungsreise wieder in den Eingang wird man vom Licht quasi umgehauen. Halb erblindet kann man sich dann an den eingefrorenen Bandschlingen nach oben hangeln und ziehen.
Oben angekommen machen wir uns schnell auf den Weg zurück, der auch gar nicht mehr sooo lang war um noch zum allwöchentlichen Friday gathering zu kommen. War schön wieder nach der ganzen Osterzeit am Feuer zu sitzen, mit ein paar Leuten zu quatschen und ein auf Eis gekühltes norwegisches Bier zu trinken.
Samstag war er endlich – der Tag den unsere Küche, nein unser ganzer Flur herbeigesehnt hat. Den Tag der Wahrheit! Vor ein paar Wochen sind unser Pläne, die irgendwann ziemlich am Anfang schon entstanden sind, konkreter geworden und wir verfassten den ersten Brief an den Sysselmann, den Gouverneur von Spitzbergen, um ihn zum essen in unsere Küche einzuladen. Und kaum einen halben Tag später hatten wir seine Zusage in der mailbox. Sysselmann kommt mit seiner Frau! Wie geil – ist quasi wie grillen mit Gerd und Doris im Schrebergarten und dabei ein frisch Gezapftes.
Mittags haben wir schon die ersten Sachen vorbereitet, auch um auf den zweiten Scooter zum Skifahren zu warten, denn wir brachten ja wieder einen Liftersatz (sonst muss man ja laufen). Die ganze Küche war in extrem guter Laune, hier wurde gebacken, da geräumt, Tischkärtchen geschrieben, da die ersten Sachen klein geschnibbelt und nicht zu guter Letzt alles auf einen Reinheitsstand gebracht, den die Küche wahrscheinlich bei der Fertigstellung nicht mal hatte. Als der Scooter endlich vom Einkaufen zurück war gings ab zum skifahren, den über Nacht gefallenen ersehnten Schnee genießen. An einem schmalen Taleinschnitt mussten wir aber enttäuscht abbrechen, da wir quasi nur in der Scooterspur fahren konnten, links und rechts waren oben überall noch Steine zu sehen (Steinslalom ist net ganz so doll) und unten waren vor einiger Zeit Lawinen abgegangen, deren Überreste einfach verfroren sind – also auch nicht gut.
In Vardalen hatten wir mehr Glück, Schnee war geil, Sonne kam raus und auch das Gelände war schon deutlich schöner. Aber natürlich musste die Sache einen Haken haben, genauer gesagt einen Zeiger und der war an der Uhr. Verdammisch, endlich geilen Platz gefunden, da mussten wir auch schon zurück um das Brot noch rechtzeitig für die Majestät zu backen. Um es kurz zu machen, der Abend wurde großartig! Aus diversen Ecken kam aus jedem Zimmer doch noch ein mehr oder weniger noch zuhause gebügeltes Hemd zum Vorschein. Mama lässt grüßen! Selbst in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns nicht einen so entspannten Abend erdenken können. Es wurde viel gequatscht, viel gegessen und viel Wein getrunken. Schon relativ früh am Abend war ich mir relativ sicher mein größtes Ziel zu erreichen, ein Foto mit Sysselmann und der Kapitänsmütze, die schon immer und ewig bei uns im Zimmer rumliegt und eigentlich jemand aufziehen muss, wenn er große Scheiße erzählt hat, oder was deppes passiert ist. Und mein Traum wurde war, auch wenn ich mich ganz schön zusammenreißen musste, ihn nicht zu fragen, ob er den „Mökkermann-Hut“ (Scheiße-Mann-Hut, wie er bei uns genannt wird) sondern die „Kapitänsmütze“ anziehen könnte… Nie hätte ich gedacht, dass ein Politiker auch einfach so ein ganz cooler Mann sein könnte.

Sonntag hatten wir wieder ungemeines Glück mit dem Wetter. Eigentlich waren Sturm und ansteigende Temperatur gemeldet, der Sturm war mittags schon weg und wir konnten endlich einem ganzen Tag mit der Powder&Co KG entgegensehen. Glücklicherweise konnten wir wieder zwei Scooter bekommen, dass wir mehr als eine Abfahrt haben und der Oli nicht laufen musste. Und war der Schnee geil, muuuha! Eine „Geländefahrt“ nach der anderen im unverspurten Glück! Skifahren am Nordpol ist schon was besonders, besonders weil fürn Oli die Saison ja schon lange vorbei war. Meine wird so schnell nicht enden, haben seit Wochen noch um -10 Grad und da ist so schnell kein Ende in Sicht. Und sollte es wärmer werden, bleiben uns ja immer noch die Gletscher. Lässig auch, dass jede „Liftfahrt“ zum Ersatz für die nicht gemachte Scootertour wurde. Auch wenn wir nicht soooo viel gemacht haben, das Skifahren hat wieder rausgerissen.

Am späten Abend sind wir bei Sonnenuntergangsstimmung noch in die kleine Mine gegangen, in der ich schon in meinen ersten Tagen hier oben war. Ist schon ne ganze Weile her, sind wirklich schon dreieinhalb Monate vergangen? Die Mine kann von Longyearbyen aus gesehen werden und jeden Winter werden ein paar Glühbirnen installiert um die Miene zu beleuchten. Den Kindern wird dann erzählt, dass der Nikolaus dort oben wohnt und sie jetzt besonders brav sein müssen…
Das wars auch schon wieder, Oli musste sich erneut als Kämpfer beweisen, als er ins Flugzeug stieg, da ihn zuhause vielleicht 30 Grad wärmere Bedingungen empfangen, krass zuhause ist Sommer und hier hat sich noch nicht sooo viel getan, außer dass es jetzt halt hell ist rund um die Uhr…

Dienstag, 17. April 2007

Oster-Roadtrip in den Frühling

Was hab ich sie herbei gesehnt – die Osterferien!? Der Masterplan sah vor aufs Festland fliegen, Sweety küssen und angeln gehen in jedem Tropfen Meerwasser, der nicht gefroren ist…der Masterplan. Doch fast wäre es nicht dazu gekommen, da der Vogel unter normalen Umständen wahrscheinlich seinen Flug verpasst hätte, aber zum Glück bin ich ja am Nordpol und normal ist hier Einiges nicht. Zum Beispiel, dass es auf einer Insel mit nicht zusammenhängenden 40 km Straße zwei Taxiunternehmen gibt, aber dazu später…
Vor ein paar Wochen hatte Nico aus meinem Flur auch für die gleiche Nacht einen Flug gebucht. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass von so einem kleinen Lufthafen in der gleichen Nacht zwei Flugzeuge los fliegen und dann auch noch fast zur gleichen Zeit. Sein Flug sollte um 5 gehen. Von SAS fährt vor jedem Flug ein Bus durch Longyearbyen um die Scharen an Leuten einzusammeln, die die kleine große Insel wieder verlassen wollen. Da stand ich nun ein bisschen müde um kurz nach drei auf der Straße der kleinen großen Insel und wartete auf einen Bus. Der kam aber nicht, dafür aber das ungute Gefühl in der Magengegend, dass man sich wohler fühlen würde, jetzt schon am Flughafen zu sein. Naja um es kurz zu machen, der Bus kam aber nicht mehr. Kurz nach halb vier haben wir dann ein Taxi gerufen, besser gesagt wir haben versucht eins zu bestellen. Die erschreckende Nachricht: Das Taxiunternehmen war soooo beschäftigt, dass bis nach vier kein Taxi mehr frei ist. Hoffentlich hat das Unternehmen wenigstens in der Nacht das Geschäft des Lebens gemacht… Als wir beim Busverein anriefen erfuhren wir, dass unser Plan in unserer Hütte schon ein bisserl älter ist und der Bus längst weg war. Na super, da steh ich nun. Jetzt kommt das zweite Taxiunternehmen ins Spiel: Sie sind zwar auch sehr beschäftigt, aber in 15 min könnten sie uns eins schicken. Die Rettung naht. Das ungute Gefühl in der Magengegend wird auch nicht besser, als sich zufällig herausstellt, dass Nico und ich gar nicht im gleichen Flugzeug sitzen und zu allem Überfluss meins auch noch um 4:40 h fliegt…klasse wir haben ja auch erst vier und der Flughafen ist noch weit weg… Um das ganze noch entspannender zu gestalten mussten wir auch noch zwei weitere Fahrgäste einsammeln, die beide auf ihre Art und Weise die Situation beinahe in eine Chillout-Lobby auf der Loveparade verwandelten. Der erste war rabenschwarz und wird sich wohl am nächsten Tag an nichts mehr erinnern, die zweite Person war eine Frau, die auf den für Spitzbergen alltäglichen Pfennigabsätzen eine Ewigkeit von der Haustür bis zum Taxi gebraucht hat. Mir hats schon in den Fingern gekribbelt, fast wär ich raus, die deppe Frau in den Kofferraum gestopft und zum Flughafen gedüst, aber ne – der Anstand verbietet es ja leider. Am Flughafen angekommen stelle ich mich dann ganz brav mit klopfendem Herzen in eine der vier Reihen, die offensichtlich alle nach Tromsö fliegen. Glück – geschafft. Dann betritt eine hektische kleine Frau um 1,55m die Abflughalle, die ohne weiteres in unser Wohnzimmer passen würde. Norwegische Wörter werden in alle Richtungen des Wohnzimmer-abflugshallendings gerufen. Von hinten grölt Nico „Stephan, it’s you!“. Ich? Was denn überhaupt? Die Frau hatte gerufen, ob denn zwischen all den Wartenden nicht doch noch einer nach Endstation Tromsö will. Jaaaaaaa, ich will da noch mit! Energisch zieht mich die kleine Frau durch all die Reihen, eine nicht vorhandene Gasse wird quasi durch all die rumstehenden Leute gedrückt. Am Schalter angekommen, soll ich alles zeigen. Was denn überhaup? Nachdem ich quasi alles bis auf Spitzbergen-Coop-Mitgliedskarte und Führerschein alles bei der Dame am Schalter gezeigt hab, fehlt nur noch eine große Kiste, in die ich meinen Wanderrucksack reinlegen darf. Na super, die Kisten stehen zwar nur am anderen Ende des Wohnzimmer, aber dazwischen sind eben noch die ganzen Leute und die Gasse hat sich bereits wieder geschlossen. Wieder ist es die kleine Frau, die mir aus der Patsche hilft und Kommandos gibt. Irgendwie findet eine dieser großen schwarzen Kisten den Weg über alle Köpfe hinweg zu meinem Schalter – Rucksack drauf, durchatmen - und schon hat mich die kleine Frau wieder am Jackenzipfel gepackt, weiter geht’s zum Handgepäck. Die letzte Hürde wird auch noch genommen und ich mach mich auf den Weg, raus aus dem Wohnzimmer in den Vorgarten, wo mein Flugzeug steht. Irgendwie will ich mich bei der kleinen Frau bedanken, aber die ist schon wieder weg, auf der Suche nach einem weiteren Mann, den sie tief beeindrucken kann! Ich sitze im Flieger, mein Herz pocht, ich bin fix und foxy, auf besondre Weise glücklich – den Abflug erleb ich schon nicht mehr.
In Tromsö werden alle Fluggäste herzlich von Freunden oder ähnlichem abgeholt, nur ich stehe etwas hilflos mit meinem Gepäck durch die Gegend. Irgendwie hatte ich schon gehofft die Joeline irgendwo sehen zu können, wenn sie schon fünf Stunden auf mich warten musste…naja dann mach ich mich eben auf die Suche. Der Flughafen ist zwar schon deutlich größer, aber immer noch deutlich kleiner als der High-Society-Flughafen Hahn. Als ich in das andere der beiden Gates gehe, sitz da einsam und allein eine müde Frau, die mich entgeistert anschaut als ob ich vom Himmel gefallen wäre. Endlich!


Ab geht’s nach Tromsö, wo wir stolzer Erstbesitzer einer runtergesetzten Teflonpfanne und den billigsten 2 Isomatten in ganz Tromsö werden. Leider konnten wir keinen kleinsten gemeinsamen Teiler finden bei der Frage, ob -5° C jetzt kalt oder warm, Winter oder Frühling ist. Wieder zurück am Flughafen nehmen wir stolz unser Mietwagenmonster in Empfang: Aus dem erwarteten Ford Ka ist über Nacht ein babyblauer Hyundai Getz geworden. Kein Eurofighter, aber ich stell mal keine Ansprüche. Hauptsache vier Räder und unser Zeug passt rein. Irgendwie hat sich meine Wahrnehmung in Spitzbergen doch ein wenig verschoben: Während ich das Gefühl habe, dass relativ viel Verkehr ist, sieht das genormte weibliche Stadtauge alle Viertelstunde mal ein Auto. Der Weg zur ersten Hütte wird zur Qual, weil wir beide die Nacht nicht richtig geschlafen haben. Dafür ist das Ankommen umso schöner. Weil wir quasi alle Einkäufe nur so ins Auto gelegt / geschmissen haben, müssen wir das ganze Auto ausladen, für nur eine Nacht…

Auf geht’s Richtung Norden, jedoch werden schon 100 km auf der kleinen Küstenstraße, die sich autobahnmäßig E6 nennt zum Gegurke, auch weil die Straße schneebedeckt ist. Endlich kann ich auch wieder angeln! An einer kleinen Hafenanlage, dessen Tourismusbüro statt den üblichen Öffnungszeiten „ab Juni geöffnet“ hat, wird mein dem Regen Trotzen nach kurzer Zeit schon mit dem ersten Dorsch belohnt. Nichts riesiges, aber gefreut hats mich trotzdem und ich weiß, dass er mir heute Abend nochmal Freude bringen wird, wenn er in der Pfanne duftet. Es gibt in fast jedem kleinen größeren Kaff jemanden, der eine private Hütte vermietet, oder aber dessen Campingplatz kleinen Blockhütten hat. Das Wetter ist wirklich alles andere als einladend, ständig Regen, der in Schnee übergeht, Wind, der in Sturm übergeht und ein Himmel der fast nur zwischen grau und ganz grau schwankt. So bleibt das Zelt erstmal im Kofferraum…und der Dorsch findet seine letzte Ruhestätte in einer richtigen Pfanne und nicht im Trangia.

Kurioses bieten die Straßen oben im Norden: In Österreich, der Schweiz und wohl allen anderen Ländern mit ein paar Bergen zuviel für Straßen werden Tunnel mittlerweile aus Sicherheitsgründen ja mit zwei separaten Röhren gebaut. Hier oben denkt man da ein wenig praktischer und baut den Tunnel gemessen am Verkehrsaufkommen sinnvollerweise nur einspurig, auch wenn er in beide Richtungen befahrbar ist. Und das klappt! Die schlauen Norweger machen am Tunneleingang einfach ein Warnschild mit 50 und langsam fahren ran, schicken ein Gebet hinterher. Um nicht alles dem Zufall in diesem fast 5 km langen Tunnel zu überlassen, gibt es in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen unbeleuchtete Ausweichbuchten. Wer bei Gegenverkehr wann anhält bzw. wieder im dämmrigen Tunnel zurücksetzen muss ist situationsabhängig. Aber jede Münze hat bekanntlich zwei Seiten und so haben wir am Ende auf dem Rückweg nach Tromsö auch einen Tunnel mit Kreisverkehr befahren dürfen. Ob die Norweger mit diesem Gebilde ihr schlechtes Gewissen ob der Löcher in den nördlichen Bergen beruhigen wollten bleibt unklar.

Fast wäre unser Roadtrip ein bisschen weiter nördlich geworden als geplant. Das lag aber weniger an meiner übernatürlichen Fähigkeit mich zu verfahren, sondern vielmehr am norwegischen Talent vollkommen missverständliche Fährpläne als schlechte Kopie hinter eine verkratzte Plastikscheibe an einem verlassenen Fährhaus anzubringen. Jedenfalls haben wir uns schon gewundert, warum wenn um vier die Fähre abfahren soll, niemand außer uns da ist, die Fähre mit geöffnetem Bug da steht, auf dem Schiff sich aber niemand blicken lässt. 20 min später, es waren mittlerweile ein paar Autos hinter uns, machte endlich jemand auf dem Schiff Anstalten, dass überhaupt heute hier nochmal was passiert. Wirklich gewundert hab ich mich aber erst, als der gute Mann für eine relativ kurze Überfahrt 30 Euro haben wollte und mehr oder weniger aus einer Laune heraus, schaute ich aufs Ticket: Warum steht da jetzt ein anderer Ort drauf? Mh, Karte raus – aaaaaaaaaaaaaah – die Fähre geht zu einer Miniinsel mit wahrscheinlich einem Bauernhof, zwei Hühnern und einem lahmen Pferd. Raus ausm Auto und mit dem netten norwegischen Ticketverkäufer geredet. Der war wohl von meiner Fuchtelei auf der Karte ein wenig überfordert und der nächste Mann wurde gerufen. Mittlerweile waren aber auch schon die nachfolgenden Autos auf die Fähre gefahren und die mussten jetzt erstmal Platz machen, denn ich wollte wirklich nicht auf diese Insel. Zum Glück gab es abends noch eine Fähre und nach einer kurzen Einführung in norwegische Fährpläne konnte ich die Abfahrtszeit auch nachvollziehen. Was macht man also einen halben Tag in einer ausgestorben wirkenden Hafenstadt, wo die Tankstelle geschlossen hat und der Tank fast leer ist? Angeln gehen! Vor der Fähre hatte ich schon einen leckeren fetten Dorsch erwischt. Im Hafenbecken selbst sahen wir riesige Köhler-Schwärme (Seelachs). Die jungen Spunde gingen wirklich auf alles was man irgendwie im Wasser auf und ab bewegt hat, was aber den Fangerfolg der tapferen Joeline nicht schmälern soll. Wäre da nicht die Geschichte mit dem Ausnehmen… Der Fisch könnte ja der Einfachheit halber schon filetiert ausm Wasser kommen.

Auf der richtigen (Halb-)Insel angekommen, nehmen die Leute uns schon in Empfang. Es passiert wohl nicht soviel, wenn nicht die Fähre ankommt…Zuerst will ich fragen, ob ich die Schuhe ausziehen soll, als wir ein große Holzhütte betreten. Doch plötzlich wird mir klar, warte mal, dass ist ja gar nicht ihre Hütte, das ist unsere…mh, wir haben aber die kleinste Hütte gemietet?! Aufklärung kommt von der Chefin des Hauses, die uns keine 10 min später frische Eier aus dem verschneiten Hühnerstall und ne kleine Bottle Rotwein vorbei bringt: Unsere gemietete Hütte liegt mehr oder weniger im Schnee begraben und da sie sich so gefreut haben, dass Leute kommen, haben sie uns einfach die Neue große gegeben. Highlight der Hütte ist ein richtiger Bollerofen. Es gibt wirklich nichts Schöneres und vor Allem nichts Gemütlicheres als ein wärmender Bollerofen, eine heiße Schokolade und der Geruch von verbrennendem Holz, wenn man aus einem kleinen Schneesturm nach Hause kommt! Irgendwie ist alles wunderschön außer dem Wetter, das Zelt liegt immer noch mehr oder weniger unangefasst im Kofferraum. Da die Hütte so schön ist, die Leute super nett sind und uns mit Schneeschuhen und Schlitten manche Stunde versüßen, die Umgebung auch super lecker aussieht, blieben wir ein bisschen länger als wir eigentlich vorhatten. Wer sich dieses schöne Stückchen Erde mal genauer angucken will: http://www.arcticnuvsvaag.no/. Nicht weit von unserer schönen Behausung sind ein paar Kutteranlegeplätze, wo ich trotz herber Materialverluste täglich um ein Abendessen recht erfolgreich kämpfe. So richtig frische Dorschfilets sind schon eine feine Sache.

Leider vergehen die schönsten Tage immer am schnellsten. So müssen wir uns schweren Herzens zurück nach Tromsö aufmachen, wo wir über Ostern auf dem Campingplatz eine Minihütte gebucht haben. Schon bitter zu sehen, wie groß doch der Unterschied zwischen Hütten von Leuten sind, die einfach Spaß dran haben und gerne auch was von den Besuchern wissen möchten, die einem die Umgebung ans Herz legen und Leuten, denen nichts mit dem Platz eingefallen ist und einfach ne Hütte hingestellt haben. Ähnlich armselig wirkt auch die Hütte auf einem Campingplatz – lieblos. In Tromsö müssen wir erschreckt feststellen, dass die ganze Stadt mit allem was dazu gehört in den Osterferien ist und wirklich spannend ist eine Fußgängerzone mit geschlossenen Geschäften, Kaffees und Pubs auch nicht. Mit einer Gondel kann man auf einen Berg oberhalb der Stadt fahren und den herrlichen Ausblick genießen, aber irgendwie zieht es mich auch wieder zurück auf diese kleine große Insel; wo man einfach von einem ähnlichen Berg auf ein Dutzend Häuser guckt, das Meer schimmert und man sich die Ski nur noch anschnallen muss.

Auf dem Campingplatz in Tromsö haben wir außer dem Zelt alle für die Tage sinnlosen Sachen benutzen können: Am letzten Tag wurde die Pfanne erstbenutzt, die 10 l Wasser in Kanistern wurden als Ersatz für die fehlende Wasserleitung genutzt, die Isomatte als Schutz für meine Angel zweckentfremdet und der Trangia auf die Miniherdplatte als Teepott gestellt. Ein wenig peinlich musste ich nach 10 Tagen feststellen, dass das Zelt immer noch genauso in der Verpackung ist wie zuvor und wir keinen einzigen Tropfen Spiritus für den Trangia gebraucht haben. Obwohl das Wetter alles andere als freundlich war, kamen bei mir Frühlingsgefühle auf. Wenig später nach einem ausgibigem Pizzaessen am Hafen sind wir auch schon wieder am Flughafen. So viel ist passiert, so viele schöne und lustige Sachen haben wir erlebt und es kommt mir erst wie 9 min vor, als ich eine Frau einsam in dem kleinen Gate sitzen sah…

Donnerstag, 29. März 2007

Nirvana am Nordpol


Der Kummer über das nicht zu Stande gekommene Duell mit den Russen hat nicht lange angehalten. Verdammisch, was war das aber für eine letzte Woche?! Montag hatte die Woche schon gewonnen, obwohl sie erst so jung war. Da bin ich nämlich als (noch nicht mitgliedsbeitag-bezahltes) Mitglied vom Norwegischen Roten Kreuz in Longyearbyen zu einer Eishöhle gefahren. Ganz in der Nähe ist einen Tag vorher eine recht große Lawine von zwei UNIS-Studenten ausgelöst worden, zum Glück wurden beide aber nicht erfasst. Ungeschickter- und sinnfreierweise hatte nur einer der beiden einen Tranciever dabei…Glück gehabt!
Die Eishöhle wird zurzeit auch von einigen Touristengruppen betreten. Touristengruppen? Mh, leider! Auch wenn man hier quasi am Nordpol ist wimmelt es zusehends von Touristen. Passt irgendwie nicht ganz so hierher…


Der Eingang sieht so ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, im Prinzip ist da nur ein dunkles Loch im Gletscherboden, was irgendwann einen Knick macht – mehr sieht man erstmal nicht. An beiden Wänden des Kanals sind Bandschlingen eingefroren an denen man sich festhalten kann, wenn man sich in die Röhre hinab lässt. Da soll ich also rein…Ich war zwar schon in Italien in einigen Höhlen, das waren aber immer Tropfsteinhöhlen mit richtigen Wegen, Leitern und richtigen Geländern. Hier gibt’s unten nichts davon, es gibt eigentlich nur eine Einschränkung: die Größe. Leute mit Klaustrophobie sind hier wohl nicht am besten aufgehoben. Dort unten kommt man in eine ganz andere Welt. Dazu trägt neben den gar hübschen Eisformationen, die wie stehen gebliebenes Wasser aussehen, natürlich auch bei, dass es keine fest installierte Beleuchtung gibt. Die eigene Kopflampe ist das einzige was man hat. Umso deutlicher wird das Spiel von Licht und Schatten, hier ein Funkeln, dort ein Glitzern, Schimmer überall. Die Decken und Wände wechseln von tausenden Minikristallen zu großen Eisstalagtitten und Formationen die unweigerlich an wellige Vorhänge aus Wasser erinnern. Doch vor all die schönen Dinge hat der Höhlenmensch und der erste Neandertaler aus der Grotte die Arbeit gestellt und so kriecht man auf dem Bauch liegend, den Rucksack vor sich herschiebend (weil man sonst nicht durchpasst…) von Raum zu Raum, von Gang zu Gang. Hinter jeder Windung gibt es wieder etwas Wunderschönes zu erstaunen. Wenn man so auf seinem Bauch auf einer spiegelglatten Eisfläche liegt, kommt man sich fast vor wie ein auf dem Rücken liegender Käfer, der nicht mehr vorwärts kommt, weil man einfach nix hat um sich abzustoßen. Über deinem Kopf ist direkt die Decke und die Wände links und rechts kannst du nicht erreichen, weil die Decke halbkreisförmig ausläuft und so beide Seiten super flach zulaufen. Auch eine kleine Teepause in einem größeren Bereich ist ein kleiner Traum, da sitzen dann ein paar mit Kopflampen bewaffnete Leute dreckig im Kreis und der Tee dampft vor sich hin. Alle Lichtkegel gehen in verschiedene Richtungen – herrlich überall glitzerts!


Dienstag bekam ich von einem Deutschen hier ne Mail, ob ich Lust hätte auf ne kleine Tour mit einem Raupenfahrzeug hätte um seine Masterarbeitshütte, die seit zwei Jahren auf irgendeinem Berg steht, abzubauen. Geil, an so eine Fahrt kommt man ja auch nicht so leicht dran, außer bei Exkursionen und dann ist eben auch Exkursion. Wir also durch tiefen Schnee über unzählige Pässe und durch schmale Täler, weite Täler, lange Täler, kurze Täler. Besteht denn ganz Spitzbergen nur aus Tälern?! Das gute an Tälern ist aber auch im Umkehrschluss, dass links und rechts Berge sind, was ja wiederum sehr ansprechend ist für Seele, Körper und Geist. Anstatt die Hütte aber irgendwie auseinander zu nehmen oder abzureißen, wird das gute Stück auf einen überdimensionalen Holzschlitten mit vereinten Kräften und Hebeln gehievt, mit 3 breiten Bändern verzurrt und noch mal mit Brettern am Schlitten festgenagelt. So macht sich die gute Hütte, die als Meteorologische Ministation auch schon 4000 durch die Antarktis (!) also am anderen Ende der Welt gereist ist, auf den Weg vom Berg zum Meer, wo sie jetzt auf einen neuen Besitzer wartet. Zwischendurch wurde es sogar ein wenig melancholisch als der ehemalige Student Abschied von der Hütte nimmt und auf die letzten zwei Jahre nochmal zurückblickt.


Mittwoch war es endlich soweit und ich konnte ein Gerücht, dass sich sogleich unglaubwürdig und hoffnungsvoll anhört beweisen: In Spitzbergen gibt es in einer Hotellounge - die etwas Mo Cocktailbar nachempfunden ist – deutsches Weizenbier!!! Wenn es eine Karte geben würde, würde draufstehen: Erdinger helles Hefe, dunkles Hefe und Kristallweizen! Hammer! Ach, endlich nach dem ganzen Eisbärenbier mal wieder was Richtiges zwischen den Kiemen zu haben ist ein kleiner großer Traum in einem wunderbaren Glas. Der arme Italiener machte erste Erfahrungen mit dem im Verhältnis doch recht „sprudelnden“ Bier und irgendwie war er erstmal damit überfordert. Nudeln mögen sie selbst im Schlaf kochen können wie ne Zehn aber Biertrinken ist nicht ihr Metier…


Vorteilhafterweise hatte ich nur Montag und Dienstag Vorlesungen, musste aber eine Präsentation vorbereiten und einige Artikel lesen. Aber wenn es dazwischen nur irgendwie eine Pause von anderthalb Stunden gab, war ich auf Skiern. Morgens um acht war ich sogar übermotiviert schon am Start. Abends vorm Abendessen noch mal an einem anderen Tag - herrlich! Mittlerweile kennt man sich auch ein bisschen mehr aus und kann das Terrain besser einschätzen. Bei dem ganzen Skifahren ließ sich auch der Schneegott, der sich wohl wieder vom selbst gebrannten russischen Vodka erholt hat und jetzt auf unserer Seite die Fäden zieht, nicht lumpen und holte so einiges aus der Trickkiste. Danach sah es am Wochenende ganz und gar nicht aus, denn Freitagnacht hats hier mal ordentlich geblasen und Eisbären und Schneefüchse geregnet. Lächerlich, ich bin am Nordpol und plötzlich regnets. Das Thermometer drohte fast vor Hitze überzukochen. Doch schnell hatte sich das Wetter wieder besonnen und eingesehen, dass es sich total verfahren hat und es ist zu normalen 10 Grad Minus zurückgekehrt. Innerhalb von einem halben Wochenende fast 20 Grad Temperaturunterschied. Danach folgte jedoch Großartiges: Schnee. Leider stieg damit auch ungemein die Lawinengefahr. Aber damit muss man hier oben zu Recht kommen und danach richtet man auch seine Touren aus.



Temperaturverlauf und vor allem Windrichtung (auch Windverlauf der letzten 24h) sind ganz wichtig vor jeder Tour. So durfte ich die letzten paar Tage an denen ich quasi täglich am Berg war das beste Skifahren seit ich hier bin erleben! Zu dem geilen Schnee kommt natürlich noch ganz entscheidend hinzu, dass man wirklich das Meer sieht, alle Hänge quasi unverspurt sind (je nachdem wann man aufgebrochen ist) und das Panorama einfach nur atemberaubend ist. Obwohl ich jetzt oft schon am selben Platz war, ist es jeden Tag anders – innerhalb von nur 12 Stunden haben sich die Schneebedingungen durch den starken Windeinfluss total geändert. Traumhaft ist auch, dass ich in der hintersten Barakke am Ende unseres kleinen Vorortes wohne und ich die Skier vor der Haustür anschnalle. Ein mehr oder weniger gepackter Rucksack mit Schaufel, Suchsonde, Extrajacke und -handschuhen steht quasi bereit, einen eigenen Tranciever hab ich auch – eigentlich kann ich immer los, wie im Paradies. Morgen bin ich wieder am Start, wir wollen einen anderen Berg mal in Angriff nehmen, der ein bisschen weiter weg ist. Danach muss ich mich spurten um die letzten Sachen zu packen, denn in der Nacht flieg ich nach Tromsö um eine schöne Frau zu küssen. Von Tromsö aus werden wir in einem monströsen Ford Ka die nächsten zehn Tage die Fjorde Richtung Nordkapp unsicher machen und sehen wohin uns das Leben zieht. Ich freu mich!




Wenn ichs dort oben (ist ja von mir aus unten…naja) nicht schaffe ein Internetkaffe zu finden oder zu sehr mit angeln beschäftigt bin, wünsch ich allen Osterhasen FROHE OSTERN.

Freitag, 16. März 2007

Russische Angsthasen


Die Russen haben offensichtlich Muffensausen bekommen und den Wettergott heimtückisch mit selbstgebranntem Vodka bestochen! Jedenfalls stürmte es gestern ganz schön dolle und heute hört es gar nicht mehr auf zu schneien. Also können wir nicht morgen früh höchstmotiviert zum zweistündigen Scooter-Trip in die russische Minenstadt aufbrechen um uns mit den bösen Russen zu messen...verdammisch!